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Netzwerk startet neues Projekt

Beruf und Familie unter einen Hut bringen ist ausschließlich ein Frauenthema? Das Netzwerk Bündnis für Familie sagt „Nein“ und möchte mit einer neuen Initiative im Landkreis wichtige Impulse geben.

Waldsassen. (exb) Vielfach ist die alltägliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch immer von kulturell verankerten Männlichkeits- und Weiblichkeitsbildern geprägt, so das Bündnis für Familie in einer Pressemitteilung. Eine gleichberechtigte Beteiligung von Vätern an Hausarbeit, Kinderbetreuung oder Pflegetätigkeiten sei leider oft noch keine Normalität.

Die Arbeitsgruppe „Familie und Arbeitswelt“ des Netzwerks Bündnis für Familie im Landkreis Tirschenreuth hat es sich auf die Fahnen geschrieben, dieses Thema im direkten Austausch mit Unternehmen zur Diskussion zu stellen. Dazu haben sich die Organisatoren das neue Format „Unternehmens- Dialog“ ausgedacht, das in der Firma Kassecker in Waldsassen gestartet wurde.

Die regional fest verwurzelte Baufirma mit über 470 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sowie über 50 Auszubildenden ist überwiegend im süddeutschen Raum in den Geschäftsfeldern Hoch- und Industriebau, Tief- und Rohrleitungsbau, Bahn- und Ingenieurbau, Stahl- und Metallbau sowie Projektentwicklung aktiv. Aktuell arbeiten 52 Frauen im Betrieb, die auch teilweise in Teilzeit beschäftigt sind.

„Der Mensch im Mittelpunkt“ sei seit vielen Jahren Motto des Unternehmens, so Geschäftsführer Bernd Fürbringer im Gespräch mit der Arbeitsgruppe. Die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Betrieb sei sehr stark. So könne das Unternehmen eine sehr geringe Fluktuationsrate verzeichnen. Eine gezielte Personalentwicklung und stetige Weiterentwicklung der Unternehmenskultur werde großgeschrieben. Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf setze das Unternehmen einzelfallbezogen auf sehr individuelle und unbürokratische Unterstützung. Flache Hierarchien und offene Türen zur Geschäftsleitung ermöglichten ein vertrauensvolles Miteinander.

Lebensarbeitszeitkonten sowie Gleitzeit- und Teilzeitregelungen in Bereichen, wo dies umsetzbar ist, seien selbstverständlich. Auf Montage sei dies jedoch nicht realisierbar. „Die Projekte wären dadurch gefährdet“, so Fürbringer. Dafür werde versucht, Urlaubszeiten familienfreundlich zu planen – in Absprache eventuell auch im Sommer, was für die Baubranche eher unüblich sei.

Als eher problematisch sieht Fürbringer die Nachwuchsgewinnung. Altersbedingt würden in den nächsten Jahren über 100 Mitarbeiter aus dem Unternehmen abgehen. Die Baubranche scheine bei der jüngeren Generation, trotz guter Bezahlung und vieler Zusatzleistungen, nicht mehr attraktiv zu sein. Er bezeichnet dies als „Generationenthema“.

Seit jeher lege das Unternehmen zur Nachwuchsgewinnung daher großen Wert auf eigene qualifizierte Ausbildung. Aktuell würden über 50 Azubis bei Kassecker in den unterschiedlichsten Berufszweigen ihre berufliche Ausbildung oder ein duales Studium absolvieren. Ein eigener Campus zur Aus- und Weiterbildung schule junge, aber auch langjährige Mitarbeiter regelmäßig in den unterschiedlichsten Bereichen.

Die Teilnehmer waren sich einig, dass in der öffentlichen Wahrnehmung die Baubranche beziehungsweise das Handwerk als Berufsoption wieder attraktiver werden müsse. Auch Eltern und Schulen seien diesbezüglich in der Pflicht. Praktika seien zur Orientierung enorm hilfreich.

 

Quelle: Der neue Tag

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