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Ein eigenes Zentrum für die Berufsausbildung

Fachkräfte sind knapp. Wer welche hat, darf sich glücklich schätzen, vor allem in der Bauwirtschaft. Kassecker in Waldsassen weiß gute und fähige Leute in den Reihen der Mitarbeiter. 

Waldsassen. (pz) Damit das auch künftig so bleibt, geht das Unternehmen für die Bauindustrie ungewöhnliche, neue Wege. Große Industriebetriebe sind dabei Vorbild für das Bauunternehmen Kassecker: Auf dem Firmengelände an der Egerer Straße soll ein Zentrum speziell für die Ausbildung des beruflichen Nachwuchses im gewerblichen Bereich entstehen.

In mehreren technischen Berufen bildet Kassecker beruflichen Nachwuchs aus – Beton- und Stahlbetonbauer, Rohrleitungsbauer, Maurer sowie Land- und Baumaschinenmechatroniker, Metallbauer und technische Zeichner. Momentan sind es laut Geschäftsführer Ewald Weber in der Summe 50 Lehrlinge. 25 davon sind in technischen Berufen, welche bisher die praktischen Fähigkeiten vom ersten Tag an auf Baustellen erlernen. „Das ist unser Problem“, beschreibt Weber die Situation.

Vier Tage jeweils zehn Stunden

Weber schildert den normalen Ablauf auf einer Auswärtsbaustelle für die Auszubildenden, die mit 15 oder 16 Jahren ins Unternehmen kommen. „Sie dürfen nur acht Stunden arbeiten und brauchen Aufsichtspersonen.“ Auf Auswärts-Baustellen wird aber in aller Regel vier Tage jeweils zehn Stunden gearbeitet, um den Freitag als verlängertes Wochenende zu gewinnen. „In der Region haben wir zu wenig Aufträge.“ Also fahren die Arbeiter zu überregionalen Einsatzorten. Weber hat Verständnis, dass dies für die jungen Leute und auch für die Eltern  mitunter problematisch ist. „Wir können bis kurz vor Ausbildungsbeginn nicht festlegen, ob der Auszubildende nach München oder nach Frankfurt muss.“ Davon wolle man nun weg und die jungen Leute die  ersten beiden Jahre auf dem Firmengelände ausbilden. Danach habe sich dieses Problem in aller Regel mit der Volljährigkeit der Mitarbeiter von selbst erledigt.

Maximal 30 Auszubildende

Mit der neuen Lehrwerkstatt will das Unternehmen die Anzahl der Nachwuchskräfte in den klassischen Bauberufen künftig verdoppeln. Pro Lehrjahr wollen die Verantwortlichen mit 15 Leuten starten, so dass maximal 30 Auszubildende in der Lehrwerkstatt arbeiten würden – laut Weber die „Idealvorstellung“. „Denn wir müssen die jungen Mitarbeiter erst kriegen.“ Auch werde es einige Jahre dauern, bis die gewünschte Anzahl an Auszubildenden erreicht ist und die Investition Früchte trägt. „Aber den Luxus leisten wir uns.“ Weber, der auch im Hochschulrat der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Regensburg sowie an verantwortlicher Position im bayerischen Bauindustrieverband beruflichen Nachwuchs für die Branche akquiriert, sieht das Ausbildungszentrum als Ergänzung zum Campus, den das Unternehmen seit drei Jahren etabliert hat. In der Kassecker-spezifischen Einrichtung zur beruflichen Fortbildung sind bis 2019 rund 500 Leute geschult worden – und zwar in allen möglichen Bereichen der Fort- und Weiterbildung.

Stolz ist Ewald Weber, dass Kassecker in den vergangenen zehn Jahren von 330 Beschäftigten auf aktuell 500 Leute gewachsen ist. Dies sei unter anderem auch dem sozialen Engagement der Gesellschafter geschuldet. Dazu gehören ein Betriebsrenten-System, eine zusätzliche Krankenversicherung oder diverse Unterstützungsmaßnahmen im Gesundheitsmanagement. „Wir bringen Sozialleistungen, die man im Mittelstand selten antrifft“, betont Ewald Weber die Vorzüge des  Unternehmens. „Es ist schwer, Leute reinzukriegen“, sagt der Geschäftsführer. „Aber wenn sie einmal im Team sind und sehen, was die Firma Kassecker alles leistet, dann bleiben die in aller Regel lange im Unternehmen.“

Pflastern, Mauern und Rohre verlegen

Neues Ausbildungszentrum eine Art „Spielwiese“ für die künftigen Experten vom Bau

Junge Leute in klassischen Bauberufen erhalten im firmeneigenen Ausbildungszentrum der Firma Kassecker eine Art „Spielwiese“. Auf der Fläche einer mit Sand aufgefüllten Grube lernen die künftigen Experten vom Bau das Pflastern, errichten Mauerwerke, verlegen Rohrleitungen. Auch ein kleiner Bagger wird vorhanden sein. „Alles, was sie auf der Baustelle machen würden, machen sie auch in der Halle“, so Weber über die jungen Leute. Zurzeit sucht Kassecker noch einen fähigen Leiter für die Nachwuchsförderung. „Ein junger Mann um die 30, der die Sprache der jungen Leute spricht“, wäre nach Einschätzung von Weber die ideale Besetzung für den Posten des Chefs. Er könnte das Lehrlingszentrum aufbauen und weiterentwickeln. Wichtig sei praktisches Verständnis und ein „Gefühl für die jungen Leute“, wie Weber sagt. Der neue Mitarbeiter müsse die Lehrinhalte gut rüberbringen: die praktische und theoretische Ausbildung, den Umgang mit Bagger-Simulatoren und mit digitalen Geräten. Ewald Weber, dem die Förderung des beruflichen Nachwuchses sehr am Herzen liegt, setzt auch auf die Präsenz des Unternehmens in sozialen Medien. Darum kümmert sich jetzt Sebastian Voit, der speziell für diese Aufgabe eingestellt wurde und später einmal in der Funktion eines Pressesprechers stehen soll.

Ausbildungszentrum geht im Herbst in Betrieb

Der Zeitplan für die Verwirklichung des Vorhabens ist ehrgeizig: „Die Genehmigung liegt vor. Am 1. März starten wir mit dem Bau“, so Geschäftsführer Ewald Weber. Zum 1. September bereits soll das Ausbildungszentrum in Betrieb gehen. „Da lass ich nicht mit mir reden“, beantwortet der Kassecker-Boss die Frage, ob die wenigen Monate für die Verwirklichung des Vorhabens reichen. „Die nächste Lehrlingsrunde möchte ich dort drin starten.“ Ein halbes Jahr später dann könnten neue Büros bezogen werden, die im Zuge des Projekts entstehen und dringend benötigt werden. „Wir wollen nicht aufhören zu wachsen und haben unseren Spaß“, sagt Weber augenzwinkernd. Im Umgriff des Firmengeländes an der Egerer Straße sind mehrere Grundstücke erworben worden – Teilflächen von der Stadt Waldsassen sowie ei- ne bestehende Gewerbehalle an der Klärwerkstraße. Mit der Neubaumaßnahme, für die rund 4 Millionen Euro investiert werden und die in Eigenregie geleistet wird, werden bisher auf dem Firmen-Areal verteilte Abteilungen zentralisiert.

 

Quelle: Der neue Tag