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Kassecker baut am Heidelberger Hbf
Bahnhofsmanager Hans-Jürgen Vogt und Baubürgermeister Bernd Stadel gaben gestern den Startschuss für die Verlängerung. (Foto:Hoppe)
„Im Prinzip soll man einfach geradeaus weiterlaufen"
Von Götz MünstermannIn nicht allzu ferner Zukunft wird der Heidelberger Hauptbahnhof einen zweiten, im Westen gelegenen Vorplatz erhalten – als Bindeglied zum neuen Stadtteil Bahnstadt. Bevor es soweit ist, muss man aber erst einmal vom Bahnhof aus dorthin kommen. Bislang endet die Halle über die Bahnsteige kurz vor Gleis 10. Diese wird jetzt bis August ein Stück verlängert, damit der zukünftige Stadtteil Bahnstadt seinen direkten Zugang zum Bahnhof erhält.
Es sind nur 16 Meter und 40 Zentimeter, um die das Kulturdenkmal aus dem Jahre 1955 verlängert werden muss. Das kleine Stück kostet aber 2,6 Millionen Euro. Der sogenannte Querbahnsteig des denkmalgeschützten Bahnhofes wird mit einer Stahlträgerkonstruktion gen Westen weitergeführt. Über zwei Treppenabgänge oder einen Fahrstuhl kommt man dann von den Gleisen in die Bahnstadt. Teuer wurde das kleine Bauprojekt auch, weil beispielsweise eine 50000-Volt-Leitung der Bahn verlegt werde, so Bahnhofsmanager Hans-Jürgen Vogt. Für Baubürgermeister Bernd Stadel ist das Projekt ein "ganz wichtiger Brückenschlag" in die Bahnstadt – und doch nur ein Provisorium.
Dort, wo die Brücke bislang endet, sitzen Dienstleistungsgruppen der US-Armee. Die waren bereit, ein wenig zusammenzurücken, so dass auf der Westseite des Bahnhofes für 105 Autos sowie 130 Fahrräder Park-and-ride-Plätze gebaut werden; Kostenpunkt: 650000 Euro. Doch das wird nicht die Zukunft des Bahnhofsvorplatzes sein. Wenn die Amerikaner abgezogen sind, soll hier ein Platz entstehen, dessen "Erdgeschoss" sich auf der Höhe des Querbahnsteiges befindet. "Im Prinzip soll man einfach geradeaus weiterlaufen", erklärt Baubürgermeister Stadel. Unter der Platzoberfläche soll sich dann eine Tiefgarage befinden, der Platz wird flankiert von Gebäuden, in denen Büros und Dienstleistungen untergebracht werden. Dass alles kann aber erst in Angriff genommen werden, wenn die Flächen neben der Paketpost von den Amerikanern komplett geräumt sind. Die dort sitzenden Armee-Dienstleister werden jedoch bis zum avisierten Komplettabzug Ende 2015 benötigt. "Aber nicht an diesem Standort", so Stadel – nach seinen Angaben ist die Aussage der Amerikaner, dass eine Verlegung innerhalb Heidelbergs möglich sei. Weil das Entgegenkommen der Amerikaner also so groß ist, verhandelt die Stadt Heidelberg schon mit dem Bund als Grundstückseigentümer über die Zukunft dieser Flächen. Was konkret "hinter dem Bahnhof", also am Eingang zur Bahnstadt, entstehen wird, das ist noch unklar. Ein großes Einkaufszentrum, wie es noch unter Alt-Oberbürgermeisterin Beate Weber geplant war, wird es nicht werden, sagt Stadel. Dafür aber vielleicht. kleiner, "untergeordneter Einzelhandel". Aber im Prinzip sei das Areal etwas für ein Unternehmen, das die optimale Anbindung an Bus und Bahn nutzen wolle. Das könne ein Ärztehaus, so Bahnhofsmanager Vogt, oder aber "kombinierte Modelle" mit verschiedenen Dienstleistungen sein. Baubürgermeister Stadel ist sich sicher, dass die Investorensuche kein Problem sein wird.

(Rhein-Neckar-Zeitung, 13.01.2011)



